Von den 122 Millionen Pferden weltweit sind höchstens 10% klinisch gesund. Ca. 10% (12,2 Mio.) sind klinisch unnutzbar lahm. Die restlichen 80% (97,6 Mio.) dieser Pferde sind etwas lahm ... und haben den Gesundheitstest nicht bestanden.

Zitat: American Farriers Journal, November 2000, Vol. 26 #6, Seite 5

 

 

Wer gut mit Pferden umgehen kann hört sie sprechen, wer sehr gut mit Pferden umgehen kann hört sie flüstern, wer nicht mit ihnen umgehen kann hört sie noch nicht einmal schreien.

 

 

 

 

 

 

"Bewegung kann nur durch noch mehr Bewegung ersetzt werden."

Zitat: Detlev Urban, Inhaber des Barhuf-Instituts, Deutschland

 

 

 

 

 

 

Herkömmliche Haltungen

Hier soll nur ein kurzer (und damit unvollständiger) Blick auf die bisher zumeist üblichen Haltungskonzeote geworfen werden. Es ist klar, dass neben diesen Konzepten diverse Kombinationen praktiziert werden. Dies hat jedoch keinen nennenswerten Einfluss auf die gemachten Aussagen.

Ständerhaltung

Vorweg, diese Haltungsform ist reine Tierquälerei und ist absolut indiskutabel. Sie stammt aus vergangenen Jahrunderten und wurde vor allem bei der Kavallerie (Militärreiterei) und in der Landwirtschaft praktiziert. Beide Bereiche haben eines gemeinsam: Die Tiere wurden den größten Teil des Tages zur Arbeit herangezogen und hatten so zumindest einigermaßen Bewegung. Im Ständer - einer Unterteilung in zumeist großen Stallanlagen - befand sich das Pferd auf einer Fläche die nur wenig größer als das Tier selbst war. Angebunden, vor sich eine Futterraufe und eine Tränke. Bewegung ist unmöglich.

Diese Form der Haltung ist in vielen Bundesländern in Deutschland richtigerweise untersagt. Leider immer noch nicht allen ....

 

Boxenhaltung

Boxenhaltung In Boxen gehaltene Pferde sind nur unwesentlich besser dran als Ständerpferde. Sie sind nicht angebunden und können sich im Rahmen der Box frei bewegen. Dennoch hilft dies nicht viel. Box wie auch Ständer werden üblicherweise mit Stroh ausgestreut. Zumeist in Form der sogenannten Matratze. Diese saugt die Ausscheidungen, vor allem den Urin der Tiere, auf. Aus dem im Urin enthaltenen Ammoniak bildet sich durch chemische Reaktion mit der Luftfeuchtigkeit Ammoniaklauge. Diese ist ätzend und giftig. Namentlich greift sie die Hornsubstanz der Hufe an, schädigt die Atmungsorgane, vor allem die Schleimhäute. Selbst mehrfaches Misten am Tag kann das nur marginal verbessern - wo aber wird mehrfach am Tag gemistet? Dazu kommt, dass das Pferd als Fluchttier ständig seine Umgebung wachsam im Auge haben möchte. Dies kann es jedoch nur, wenn es über die Boxenwand schaut - also den Kopf oben hat und nicht in der entspannten bodennahen Haltung wie es seiner Natur entspräche. Die mangelnde Bewegung führt zwangsweise zu Huf- und Gelenkproblemen. Die Hufe beginnen sich durch das lange Stehen zu verformen, die Funktion der Blutpumpe im Huf kommt nicht mehr zum Tragen, Unterversorgung des Organismus mit Nährstoffen ist die unmittelbare Folge. Auch diese Haltungsform ist konsequent abzulehnen. Dies umsomehr da sie leider in Deutschland nach wie vor die vorherrschende Art und Weise der Pferdehaltung darstellt. In den Ställen herrschen in der Regel relativ konstante Temperaturen. Das Tier ist also nicht mehr gezwungen seine natürlichen Mechanismen zur Temperaturregelung hinreichend zu trainieren. Ergo, diese Funktionen verkümmern und das Pferd wird anfällig für Temperaturschwankungen. Insbesondere Belastungssituationen mit Schwitzen können für das Tier gefährlich werden da es selbst nicht mehr in der Lage ist, seinen Temperaturhaushalt zu regulieren.

Offenstall/Weidehaltung

Dieser Form der Haltung ist in jedem Fall der Vorzug zu geben. Leider gewährt Offenstall- und/oder Weidehaltung allein noch lange keine pferdegerechte Haltung. Die Robushaltung rund um die Uhr an frischer Luft ist grundsätzlich erst einmal das, wofür das Pferd eingerichtet ist. Dabei ist allerdings zu beachten, dass im Gegensatz zu den Wildpferden die domestizierten Artgenossen keine Möglichkeit haben, Witterungsunbilden durch Wanderung zu entgehen. Sie benötigen also hinreichend Schutzmechanismen für jedes Mitglied der Herde. Auch das rangniedrigste Tier muss bei Sturm, Hagel, Schneefall usw. eine Unterstellmöglichkeit finden aus der es nicht durch höherrangige Tiere vertrieben wird. Diese Unterstände müssen so beschaffen sein, dass sie Pferden auch die Flucht daraus auf einem zweiten Wege erlauben wenn der erste Zugang durch ein hochrangiges Pferd verstellt ist. Andernfalls sind Verletzungen vorprogrammiert. Ähnlich verhält es sich mit den Anreizen zur Bewegung. Die üblicherweise verwendeten Futterraufen führen in der Regel dazu, dass erstens die Pferde daherum "stehen" statt sich zu bewegen und zweitens die rangniederen Tiere zu wenig Gelegenheiten zur Futteraufnahme erhalten. Für die Tränken gilt das gleiche. Bei der Weidehaltung kommt noch hinzu, dass die üblichen Weiden oft mit Gräsern/Futtermischungen angesät sind, die eigentlich für die Milchviehwirtschaft gezüchtet wurden. Mithin viel zu fett (=nährstoffreich und zuckerhaltig) für Pferde sind. Auch hier sind Erkrankungen bis hin zur Rehe (Laminitis) oftmals die unmittelbare Folge.

Probleme

Wie oben bereits angesprochen resultieren aus den traditionellen Haltungskonzepten vielfältige Probleme für die Pferde. Diese sind oft scheinbar verdeckt weil man überall das gleiche oder ähnliche Schema sieht. Die wichtigsten Probleme sind:

  • Fütterungsprobleme

    fehlendes ständiges Angebot an Raufutter führt zu Verdauungsproblemen (-> Darmflora), statische Futterstellen erzeugen Bewegungsmangel

  • Bewegungsmangel

    hat unmittelbar eine ganze Reihe von Problemen zur Folge, an erster Stelle sind die Hufprobleme zu nennen, Stoffwechselprobleme schließen sich an, verminderte Leistungs- und Gebrauchsfähigkeit bzw. kranke Tiere sind die Folge

  • fehlender Sozialkontakt

    führt ebenfalls zu kranken und verhaltensauffälligen Tieren

  • Ammoniak

    und zu wenig frische Luft, sowie das ständige Hineintreten in den eigenen Dung bewirken Probleme bei der Atmung, Erkrankungen der Schleimhäute und wiederum Hufprobleme durch Zerstzung des Horns durch die Ammoniak-Lauge

  • unsinniger Arbeitsaufwand

    alles was an Stroh in Form von Einstreu beschafft, gelagert und eingestreut wird muss wieder gemistet, zwischengelagert und entsorgt werden. Dies bedeutet viel Arbeitsaufwand und Kosten die durch sinnvolle und gesunde Haltungskonzepte eingespart würden.